Sakramente
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"Wenn ich meiner Frau einen Strauß Blumen schenke, will ich ihr eine Freude machen.
Wenn ich einem Bekannten die Hand gebe, heiße ich ihn willkommen.
Die Mutter streichelt ihr Kind, um es zu beruhigen.
Liebende geben sich einen Kuß. |
Wir Menschen gebrauchen äußere Zeichen, um auszudrücken, was zwischen uns vorgeht.
Innen und Außen sind keine Gegensätze: Inneres drückt sich im Äußeren aus und Äußeres wirkt auf Inneres.
So ist es auch in unserer Beziehung zu Gott. Gott bedient sich irdischer Elemente und menschlicher Gebärden, um sich uns zuzuwenden. Solche Zeichen, die Gott mit seiner Gegenwart füllt, nennt man Sakramente."
Den Glaubenden ergeht es wie den Liebenden. Das, was sie bewegt und umtreibt ist für die anderen nicht sichtbar. Zu manchen Zeiten ist es allerdings für die Liebenden wichtig, sich einander Zeichen zu geben, die zum Ausdruck bringen wollen, was sonst nicht gesehen werden kann – und was dennoch das Wesentliche ist.
Die gefeierten Sakramente sind in diesem Sinne sichtbare Zeichen für die Liebe Gottes zu uns Menschen. Sie werden gefeiert in der Gemeinschaft der Kirche, die selber ein Sakrament, ein Zeichen der Gegenwart Gottes in dieser Welt sein will. Und die Sakramente gehen zurück auf Jesu Leben und Wirken in dieser Welt, das sie so in unterschiedlicher Weise für uns erfahrbar machen wollen.
Sakramente sind immer Zeichen für das Eigentliche: die Liebe Gottes. Aber sie sind gleichzeitig nie nur Zeichen, sondern wir dürfen glauben, dass durch sie tatsächlich geschieht, was sie bezeichnen – wie ja auch ein Willkommensgruß direkt umsetzt wofür er steht. Im Laufe der Geschichte wurden in der katholischen Kirche sieben Sakramente als solche definiert:
»Taufe
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Warum taufen? |
"Wie neu geboren" kann sich fühlen, wer nach anstrengendem Tun ein Bad genommen hat: erfrischt, befreit, mit neuem Elan versehen...
Das Christsein beginnt mit einem Bad, dem Bad der Taufe. Dieses Bad ist äußeres Zeichen einer inneren Erneuerung. Hier wird der Mensch – wie es Jesus nach dem Johannesevangelium sagt – "von neuem geboren". In der physischen Geburt hat er als Glied der einen Menschheit das Licht der Welt erblickt. In sie ist er hineingeboren und damit auch in das, was sie von Anfang an und immer wieder prägt. Zum Erbe, das ihm damit zu Eigen wird, gehört auch die Abwendung von Gott und den von ihm geschenkten Lebensmöglichkeiten. Nur in und durch Jesus Christus wurde diese Prägung überwunden und in seinem Tod und seiner Auferstehung allen zugänglich gemacht. In der Taufe wird ein Mensch in die Gemeinschaft mit diesem neuen Menschen hineingeboren. Er erhält in Christus Anteil am Leben des dreifaltigen Gottes, damit er im Sinne des Schöpfers leben und im Tod zu vollendetem Leben gelangen kann. Er wird damit Glied der Kirche, in der diese Beziehung gemeinsam gelebt, intensiviert und immer wieder erneuert wird. Der Mensch wird "von neuem geboren... aus Wasser und Geist" (Joh 3,3.5).
Wer als Erwachsener zum Glauben an Jesus Christus als den Erlöser der Welt und das Ziel aller Wege gefunden hat, bittet selber um die Taufe und wird durch sie in die Gemeinschaft mit Christus in der Kirche aufgenommen.
Eltern sind bemüht, ihrem Kind weiterzugeben, was ihnen selber wichtig ist. Wenn sie im Glauben wissen, dass ihnen in Jesus Christus der Schöpfer alles Lebens selber nahe gekommen ist, werden sie die Beziehung zu ihm auch ihrem Kind weitergeben wollen. Sie nehmen es hinein in die Gemeinschaft der Kirche, in der sie diese Nähe immer wieder erfahren; sie lassen ihr Kind taufen.
* aus: Freitag/Hopf/Klimek, Theologisches Grundseminar, Materialband 2, Kevelaer 2006
»Beichte
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Die Feier der Versöhnung
Warum beichten gehen?
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"Ich habe mir nichts vorzuwerfen!" Wohl dem, der das in allen Lebenslagen von sich sagen kann. Aber gibt es das?
Im Leben jedes Menschen kommen Dinge vor, die er gerne ungeschehen machen möchte und die er bereut, weil er der Versuchung zum Bösen erlegen ist. Es gibt Situationen, in denen es notwendig ist, seine Schuld einem anderen einzugestehen, und in denen Vergebung erbeten und zugesagt werden muss, damit man mit sich und anderen ins Reine kommt. Im Verhältnis zu Gott gilt Ähnliches. Im Vertrauen auf seine in Christus gezeigt Vergebungsbereitschaft gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das Bußsakrament ist der Ort, an dem die Kirche die Vergebung Gottes ausdrücklich zusprechen und im Zeichen spürbar machen kann, wenn jemand seine Schuld ebenso ausdrücklich bereut und bekennt. Die Sünde ist eine Realität im Leben, ebenso aber auch das bleibende Vergebungsangebot Gottes.
»Eucharistie
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Warum feiert die Kirche Eucharistie?
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Wer etwas Besonderes zu feiern hat, lädt Freunde und Freundinnen zum Essen ein. Gemeinsam zu essen und zu trinken stärkt die Verbundenheit und das Verständnis füreinander. Dessen war sich Jesus sicher bewusst, als er am Vorabend seines Todes ein Mahl zur Mitte des kirchlichen Lebens machte. Aber er wollte mehr als nur ein Zusammensein seiner Jünger. Er selbst wollte als Auferstandener für sie zur Speise werden. Darin sollte deutlich werden, dass die Gemeinschaft der Getauften mit ihm alle unter Menschen mögliche Verbundenheit übertreffen sollte. So wollte er sie immer wieder in seine Hingabe an Gott, den Vater, und in das Leben Gottes hineinnehmen.
»Firmung
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Warum Firmung?
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Was wird aus mir? Welche Fähigkeiten habe ich? Wie kann ich sie entfalten und einbringen? Was macht mich stark, was gibt mir Kraft? Wovon lasse ich mich bestimmen? Werde ich den Anforderungen, die an mich gestellt sind, gerecht werden?
Als Christ zu leben und die Sendung der Kirche eigenverantwortlich mitzutragen ist jedem Getauften aufgetragen. Nicht aus eigene Kraft ist das möglich, sondern nur in Offenheit für Gottes Geist. Ihn hat Jesus für die Zeit nach seinem Tod als Beistand verheißen. Seine Wirkmacht hat die Kirche beim ersten Pfingstfest in Jerusalem erfahren. Dieser Heilige Geist wird einem Getauften in der Firmung, dem zweiten Eingliederungssakrament, verliehen.
»Ehe
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Warum kirchlich heiraten?
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"Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens." Dieses Versprechen geben sich immer wieder Brautleute vor dem Traualtar, wenn sie spüren, dass die Qualität ihrer Beziehung eine neue Stufe erreicht hat .
Wenn ein Mann und eine Frau sich öffentlich so in der Kirche zueinander bekennt, dann redet die katholische Kirche von einem heilmachenden Zeichen, von einem Sakrament. Im Sakrament der Ehe wird für die Kirche sichtbar, wie Gott sich zu uns Menschen verhält: Er will uns, umwirbt uns, liebt uns - so wie die Partner sich umwerben und lieben.
Kirchlich zu heiraten bedeutet, die Beziehung der Liebenden bewußt unter den Segen Gottes zu stellen und vor Zeugen zu bekennen, dass sie sich nie aus der Weggemeinschaft Ehe entlassen wollen. Die Liebenden freuen sich darauf, den Lernprozess Ehe unter Gottes Schutz immer wieder neu entwickeln zu dürfen.
»Weihe
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Das Sakrament der Weihe?
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Warum weiht die Kirche Diakone, Priester und Bischöfe?
Wer ein Amt in der Kirche ausübt, spricht und handelt dabei letztlich nicht im eigenen Namen, auch nicht „im Namen des Volkes“, sondern im Auftrag Christi. Es ist ihm aufgegeben, Christus in seinem Dienst für die Menschen in Vollmacht zu vergegenwärtigen. Die Übertragung eines Amtes erfolgt daher durch eine Weihe. Die katholische Kirche betrachtet sie als Sakrament: Gott selber ruft die so Geweihten auf Dauer in seinen besonderen Dienst; sie stellen sich ihm für immer zur Verfügung. Das kirchliche Amt gibt es in dreifacher Ausformung als Bischofs-, Priester- und Diakonenamt.
»Krankensalbung
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Warum Krankensalbung?
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"Hauptsache: gesund!" Wer das sagt, weiß, dass ein angegriffener Gesundheitszustand alles andere im Leben belastet und einschränkt. Eine schwere Krankheit macht bisher Selbstverständliches unmöglich und lässt auf drastische Weise spüren, wie bedroht und hinfällig das eigene Leben ist. Sie beeinträchtigt nicht nur den Körper; sie ist auch eine seelische Last und eine Anfechtung für den Glauben.
In dieser Situation Trost zu spenden, die rettende Nähe Christi zuzusprechen und die aufrichtende Kraft des Heiligen Geistes zu vermitteln ist der Sinn der sakramentalen Krankensalbung.
Ihr erstes Ziel ist also die innere Aufrichtung und Heiligung des Kranken. Das Gebet der Kirche kann das Vertrauen auf die erbarmende Zuwendung Gottes – spürbar in der Salbung – stärken. Das Sakrament hilft, die Krise der Krankheit im Glauben zu bestehen, und kann sich daher ggf. auch heilend auf den Körper auswirken.
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